Martin Kramer: „Was dran ist , wird gemacht“
Bescheidenheit ist keine Eigenschaft, die Martin Kramer erst im Alter für sich entdeckt hat. Bescheiden war der stadtbekannte Pfarrer und Stadtrat Zeit seines Lebens. Dass er sich jetzt zum 70. Geburtstag „nur Gesundheit und ein bisschen mehr Freizeit wünscht“, könnte er schon vor 10 oder 20 Jahren gesagt haben. Denn Martin Kramer war schon immer die kleinen Dinge im Leben anderer wichtiger als die großen Angelegenheiten in eigener Sache.
Martin Kramer wurde am 16. Februar 1933 in Berlin-Mahlsdorf geboren, verbrachte seine Kindheit und Jugend auch in Wernigerode. Er studierte von 1952 bis 1957 in Halle Theologie. Seine Eltern siedelten 1955 nach Hamburg um, Martin Kramer wollte jedoch sein Theologie-Studium beenden und blieb dann hier. Er absolvierte das Vikariat, die praktische theologische Ausbildung, in der Hallenser Laurentius-Gemeinde. Danach begann seine pfarramtliche Laufbahn. Er war Studentenpfarrer (1962-1970), persönlicher Referent des Bischofs und bis 1974 Gemeindepfarrer in Salbke, danach bis 1980 in Stadtfeld. Er engagierte sich auch als Parlamentarier in der Kirchenprovinz-Synode. Nach der Wiedervereinigung war Kramer u.a. zwischen 1997 und 2000 Vorsitzender des Vorstands der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt, in den Jahren von 1998 bis 2000 auch deren Direktor. Er ist Leiter des Evangelischen Medienverbandes in der Kirchenprovinz Sachsen und in der Landeskirche Anhalts. Seit 1995 ist Martin Kramer zwar Pfarrer und Konsistorialpräsident im Ruhestand; er ist aber weiterhin in zahlreichen kirchlichen und gesellschaftlichen Gremien und Gruppen aktiv. Unter anderem engagiert er sich im Magdeburger Geschichtsverein, im Förderverein des Magdeburger Doms und im Rotary Club. Besonders setzt er sich für die evangelische Publizistik ein.
Wenn er in DDR-Zeiten vom Staat zu Delegiertenversammlungen eingeladen war, sagte er stets: „Für Sachgespräche stehe ich gern zur Verfügung, aber zur publizistischen Garnierung Ihrer Konferenz nicht.“ Nach solchen Debatten mit Funktionären habe er oft das Gefühl gehabt, dass diese etwas gehört hätten, was sie nicht alle Tage hörten und nicht so schnell vergessen würden: „Belastend war für mich immer, wenn die Kirchenleitung zu aktuellen Problemen wie Wehrunterricht, Wehrdienstverweigerung oder Wahlen ohne Wahlkabinen ablehnende Positionen bezog, ihr die Menschen aber nicht folgten. Der Druck war für viele zu groß.“
Martin Kramer kam früh mit Parteien in Berührung, trat mit 16 der LDPD bei. Doch die verließ er bald, nämlich im Oktober 1950, als ihm mit der Einheitsliste klar wurde, dass die auch nur ferngesteuert wurde. Nach der Wende war Kramer lange Jahre stellvertretender Kreisvorsitzender der FDP. Seit 1996 sitzt er für die FDP im Stadtrat, seit 1999 als Vorsitzender der Fraktion. „Ich bedaure sehr, dass wir die kleinste Fraktion im Stadtrat stellen. Wir können da nur schwer etwas bewegen. Ich glaube aber fest daran, dass sich das nach der Kommunalwahl 2004 ändern wird.“
Martin Kramer ist überzeugt davon, dass engagierte Christen Politik machen müssen, aber die Kirche dürfe keine Politik machen. Deshalb würde er nie CDU-Mitglied werden. Kramer: „Alle politischen Dinge passieren nur in der vorletzten Dimension. Die letzte Dimension – Gott und die Ewigkeit – entzieht sich allem politischen Denken. Solange auf der Erde Politik gemacht werden muss, muss die nach rationalen und sinnvollen Punkten verlaufen.
Der streitbare und engagierte Christ, dessen Lebensmaxime „Was dran ist, wird gemacht“ ist, will mit 70 vielleicht doch etwas ruhiger treten: „Ich will mir mehr Zeit zum Lesen gönnen. Vielleicht aber schreibe ich auch auf, was ich erlebt habe. Und reisen möchte ich, nach England und Skandinavien. Am liebsten aber durch Norwegens Fjorde schippern.“
In Anlehnung an Artikel in der Magdeburger Volksstimme vom 15.2.2003.
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