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BERLIN. Der Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Dr. Wolfgang
GERHARDT, schreibt in einem Beitrag für die "Eßlinger Zeitung"
(Samstagsausgabe):
Wenn man die letzten Tage betrachtet, fühlt man sich zurückversetzt in
den Jahreswechsel 98/99, als die damals neugewählte Bundesregierung einen
Fehler nach dem anderen machte: Schlampig vorbereitete Vorlagen für das
Verfassungsgericht führen zu unerträglichen Verletzungen der
Informationsrechte des Deutschen Bundestages und haben der NPD eine
unnötige Bühne verschafft. Beschaffungsvorlagen für die von der
Bundeswehr dringend benötigten Transportflugzeuge werden trotz großer
Einmütigkeit zwischen den Parteien in der Sache so schlecht vorbereitet,
daß nur der Gang nach Karlsruhe eine Klärung bringen konnte. Der einstige
finanzpolitische Musterknabe Deutschland, der zurecht ganz Europa zu einem
Stabilitätskurs gebracht hat, erhält nun wegen des hohen Defizits einen
blauen Brief aus Brüssel. Die derzeitige Bundesregierung hat ihre Aufgaben
nicht im Griff.
Und das gilt leider für jeden Bereich. International nimmt das Image
Deutschlands unerträglich Schaden. Viele ausländische Besucher fragten
mich in den letzten Tagen, was denn nur mit Deutschland los sei.
Die Wirtschaftslage in Deutschland ist katastrophal. Da kann Bundeskanzler
Gerhard Schröder sagen was er will, die Zahlen sprechen für sich. Seit der
Rezession von 1993 ist die deutsche Wirtschaft nicht mehr so schlecht
dagestanden wie heute: Die Wirtschaft hat 2001 real nur noch um 0,6 Prozent
zugelegt. Für dieses Jahr sieht es leider auch nicht besser aus. Dieser
Einbruch hängt aber nicht, wie es die Bundesregierung gerne glauben machen
möchte, mit den Anschlägen vom 11. September zusammen. Die anderen
europäischen Staaten kommen weit besser zurecht. Diese Rezession ist
hausgemacht, sie ist das Ergebnis von Schröders ruhiger Hand.
Auch der Sachverständigenrat stellt fest, daß in Deutschland die
Anreizsysteme nicht stimmen. Die Bundesregierung ändert aber nichts, es
fehlt einfach der Mut und nicht nur bei der Bundesregierung. Kürzlich
preschte Edmund Stoiber noch ganz tapfer und medienwirksam vor und wollte
die Ökosteuer wieder abschaffen - nicht mal eine Woche danach sagt er
"man könne die Ökosteuer nicht zurückdrehen". Das ist kein
Zeichen von Wirtschaftskompetenz. Das ist Flüchten vor den Problemen.
Es geht in diesem Jahr eben nicht allein um die Frage, wer Kanzler wird.
Es geht darum, daß die Ärmel aufgekrempelt werden und die Probleme
angepackt und gelöst werden. "Sozialdemokratische Rezepte", egal
ob bei SPD oder bei CDU/CSU, haben ausgedient. Unser Land braucht dringend
einen neuen Aufbruch.
Wir brauchen weniger Verwaltung, sondern wieder Freiräume für
Leistungswillen und eigene Lebensgestaltung. Was muß getan werden: Wir
brauchen deutliche Steuersenkungen, damit sich harte Arbeit wieder lohnt.
Wir brauchen mehr Anstrengungen bei der Ausbildung in Deutschland, das
betrifft übrigens genauso manche Elternhäuser wie viele Schulen. Und: wir
brauchen endlich wieder eine Regierung, die nicht nur Probleme verschleppt,
sondern ihre Arbeit macht.
Isabella Pfaff - Telefon 0 30/2 27-5 23 88 - pressestelle@fdp-bundestag.de
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