"Im Kreuzfeuer Ihrer Fragen"
Jürgen W. Möllemann in Magdeburg
Am 14. März 2002 stellte sich Jürgen W. Möllemann
(MdL, Fraktionsvorsitzender der FDP im
Landtag von Nordrhein-Westfalen) in Magdeburg den Fragen
interessierter Wähler und erläuterte die Erfolgsstrategie der
Liberalen.
Er beantwortet Fragen zur Rolle der FDP in der
Bundes- und Landespolitik in der Vergangenheit und der
Zukunft.
Wirtschaftliche Entwicklung in Sachsen-Anhalt:
"Die Bilanz ist eindeutig: Diese Landesregierung hat
offensichtlich eine Wirtschaftspolitik betrieben, die zu wenig
wirtschaftsfreundlich war. Im Wettbewerb der Länder ist
Sachsen-Anhalt in den vergangenen Jahren zurückgefallen. Eine
neue Regierung kann nicht von einem auf den anderen Tag Lösungen
und Fortschritte präsentieren. Doch die FDP verspricht, sich nach
dem Erfolg bei den Landtags- und Bundestagswahlen auf allen Ebenen
und mit aller Kraft für eine unternehmensfreundliche Politik
einzusetzen. Damit hier endlich was passiert."
Bildung: "Wir brauchen mehr Leistung
auf allen Ebenen. Nicht Gleichmacherei, die alle nach unten zieht,
sondern Fordern und Fördern in Abhängigkeit von den
individuellen Voraussetzungen und Interessen. Schon mit Blick auf
die Anforderungen der Arbeitswelt müssen wir ganz klar darauf
dringen, dass die Kulturtechniken beherrscht werden. Wir müssen
effektiver und in kürzerer Zeit lernen. Durch frühere
Einschulung, die flächendeckende Einführung des Abiturs nach 12
Jahren, die Abschaffung der Wehrpflicht und ein Durchforsten der
Lehr- und Lerninhalte auf allen Ebenen, damit Studienabschlüsse
mit 25 nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel werden.
Außerdem: Unsere Universitäten sind nicht mehr das, was sie mal
waren. Früher galt es als Auszeichnung, in Deutschland studiert
zu haben. Heute gehen die Japaner in die USA. Unsere Hochschulen
müssen wieder attraktiv werden für ausländische
Studenten."
Bürokratie: "Hier gehört alles
durchforstet, was unternehmerisches Engagement behindert. Es darf
nicht sein, dass ein Jungunternehmer mit 49 staatlichen Stellen zu
tun hat, bevor er sein Unternehmen in Schwung bringen kann."
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Ca. 80 Gäste lauschten aufmerksam den Ausführungen des
ehemaligen Bundeswirtschaftsministers
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Rolle des Staates: "Der Staat hat die
Aufgabe, die notwendigen Rahmenbedingungen für das
unternehmerische Engagement zu schaffen. Das bedeutet aber nicht,
mit der Gießkanne vor allem an Großkonzerne Fördergelder zu
vergeben. Vielmehr müssen vor allem die neuen, jungen Unternehmen
mit Eigenkapitalhilfen unterstützt werden, denn diese haben nach
den Regeln von Basel II große Schwierigkeiten, den Banken
gegenüber die notwendigen Sicherheiten vorzuweisen."
Zuwanderung: Eine Regelung, die sich an
wohlverstandenen nationalen Interessen Deutschlands orientiert,
ist mehr als überfällig. Wir brauchen daher noch vor der
Bundestagswahl einen tragfähigen Kompromiss. Nur aus
Rücksichtnahme auf die Grünen darf diese entscheidende Frage der
deutschen Politik nicht weiter aufgeschoben werden.
Naher Osten:
1. Israel/Palästina: "Ich verurteile die
Gewalt auf beiden Seiten. Hier droht ein Pulverfass zu explodieren
- ein Krieg vielleicht mit atomaren Gefechtsfeldwaffen, B- und
C-Waffen. Scharon muss gestoppt werden, denn er hat die politische
Geschäftsgrundlage für jede friedliche Entwicklung verlassen,
indem er die Oslo-Vereinbarungen aufkündigte und damit ins Amt
gewählt wurde. In vielen Staaten des Nahen Ostens formiert sich
Widerstand gegen den pro-westlichen Kurs der jeweiligen Regierung.
Wir brauchen Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien auf
gleicher Augenhöhe, am besten organisiert im Rahmen einer
Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit im Nahen Osten."
2. Irak: "Vizepräsident Cheney bereist den
Nahen Osten, offenbar um Zustimmung für einen amerikanischen
Militärschlag gegen den Irak einzuholen. Hier müssen die
Bundesregierung und die EU viel energischer Position für eine
friedliche Entwicklung beziehen.
Es kann nicht sein, dass deutsche Truppen
"Übungen" am persischen Golf unternehmen, die
militärische Ausstattung in Afghanistan aber den Anforderungen
nicht entspricht."
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