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Tage der Freiheit

Freiheit - was ist das? was ist es für dich? was macht es wertvoll? wie komme ich dazu? wo ist mein Freiheitsmoment?

Es sind die Momente in denen uns vor Augen geführt wird, dass Freiheit etwas ist, was einen glücklich macht, in denen die Emotionen einen rühren, weil wir merken, dass Freiheit es ist, was unser Leben so lebenswert macht.

Es sind die Momente, in denen Menschen in unserem Umfeld aufgestanden sind und Ungerechtigkeiten anprangerten oder für ihre Freiheit kämpften.

Es sind die Momente, die aus unserem Alltag etwas besonderes machten, an das wir uns bis heute noch erinnern.

Jeder von uns erlebt diese Momente - jeder von uns hatte einen diesen Momente in seinem Leben schon gehabt. Man muss sich nur daran erinnern.

Es heißt, die heutige Generation in Deutschland hat das Glück nicht mehr um Freiheit kämpfen zu müssen. Wirklich? Oder muss sie es etwa doch? Manchmal überkommt einen das Gefühl, dass die Menschen vergessen haben, was Ihnen die Freiheit Wert ist. So leicht verschenken wir heute unsere Freiheitsrechte an den Staat und an Parteien, die nur zu gern alles regeln und überwachen wollen.

1989 gingen viele Menschen auf die Straße um sich ihre Freiheit zu erkämpfen.

1989 ging als das Jahr der Freiheit in Ostdeutschland ein und schaffte für viele Menschen eine Zukunft, die mit vielen Hoffnungen verknüpft war und ist.

1989 ermöglichte freies Reisen, freies Studieren, freie politische und gesellschaftliche Betätigung und ein selbstbestimmtes Leben.

1989 war für viele ein Freiheitsmoment. Und viele hatten dort ihren Tag der Freiheit.

In dieser Rubrik möchten wir Ihnen immer wieder diese Momente der Freiheit näher bringen. Mit Hintergrundinformationen, Zeugenberichten und Literaturempfehlen. Wir wünschen Ihnen damit viel Spaß und hoffen auch bei Ihnen einen Stein für die Freiheit ins Rollen zu bringen.

 

Die Steine

von Reinhard Försterling

(vorgetragen von Björn Försterling MdL auf der Gedenkveranstaltung der FDP-Landesverbände Niedersachsen und Sachsen-Anhalt am 13.8.2014 in Hötensleben)

auch steinwege führen
in die Kindheit
steinboden in der küche und
pflastersteine auf dem hof
ausgerutscht und gestolpert
beulen und blut
das blut auf dem pflaster des hofes
auch von geköpften hühnern
gestochenen gänsen
geschossenen schweinen
und von dem lehrling
den der vater mit der wasserwaage schlug
habe nägel gestohlen
die großmutter, die mutter schrubbten
das blut von den steinen
doch ganz sauber wurden sie nicht
die steine

mit steinen gespielt
aufgeladen
gefahren
abgekippt
aufgeladen
manchmal des sonntags
steine in den amtsteich geworfen
die kreise bestaunt
und der vater konnte so werfen
dass sie sprangen
die steine

glatt und blank
war der stein
den die großmutter
in der grude erhitzte
in tücher wickelte
zum bettwärmen
den großvater hatten
fünfundvierzig die russen
dabei hatte er doch gar nicht
und der großvater vom großvater
hatte noch im steinbruch gearbeitet
zwölf kilometer hin
zwölf kilometer zurück
zu fuß jeden tag
konnte nur sonntags
vom gepachteten acker sammeln
die steine

stein auf stein
gesungen und
manchmal geheim gesprochen
stawein awauf stawein
steinheinlefein aufhauflefauf steinheinlefein
niets fua niets
spielsteine
ärgersteine
freusteine
regelsteine im steinbaukasten und
dann freie steine gesammelt
nicht jeden
nur die
die anders in die schatztruhe gesperrt
die steine

und die steine
kamen nicht mit in die pakete
die von verwandten und bekannten aus dem osten
geschickt an bekannte verwandte im westen
mit unserem geschirr unserer wäsche unseren kleidern
steine im bauch bei der flucht
im lager und
im westen waren
die steine nicht mehr
die steine

acht war ich und fremd
und hatte steine im bauch
die manchmal so schwer
dass ich an der Aue
der grenze stand
weinte und schrie
dass ich wieder nach hause
und meinte den ort
aus dem die eltern geflohen
und dessen kirchturm ich sah
auch wenn ich später
einmal im jahr
morgens um neun
zur großmutter fuhr
und dann
Jerxheim
Helmstedt
Marienborn
Magdeburg
Halberstadt
Hedeper
stand ich abends um sechs
vor der kirche
deren turm ich gesehen
schon morgens um neun
holte dann die schatztruhe
die steine

spielte mit der großmutter
die alten spiele
mit den freusteinen
und mit Karl-Heinz
Bernd und Fips
dessen namen ich nicht mehr weiß
baute ich burgen
steinburgen
niets fua niets
die steine

und wieder mit den steinen im bauch
steine gesammelt auf dem acker
auf dem das feuer loderte
das junifeuer
für die brüder und schwestern
und beim schützenfest sagten
die bauern dem vater
dass für die aus der ostzone
an ihrem tisch kein platz
steinbauern
steinbrüder
steinschwestern
das feuer schmolz die steine nicht
die steine

von Goliath gehört
und von David
eine steinschleuder gebaut
konnte laternen treffen
die kindheit nicht

Nehme einen Stein in die Hand, Halten und Gehalten werden.