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Der 17. Juni 1953 als Thema im Schulbuch

Der 17. Juni 1953 als Thema im Schulbuch und in weiteren Medien für den Geschichtsunterricht

Von: Heinz-Josef Sprengkamp

 

Schulbücher sind eine wichtige Grundlage für den Unterricht. Mehr als 75% aller Lehrer in den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern (Sozialkunde, Geschichte, Geographie) nutzen ein Schulbuch; dabei ist Geschichte noch stärker „Buchfach“ als z.B. Sozialkunde oder Geographie, zwei Fächer, die sehr stark vom Aktualitätsbezug und deshalb auch von aktuellen Medien (Zeitungen, Internet) leben.

 

Schulbücher sind in hohem Maße „staatliche sanktionierte“ Medien für den Unterricht: Sie werden auf der Grundlage von Lehrplänen erstellt, von Gutachtern geprüft und dann vom Kultusministerium für die Benutzung im Unterricht zugelassen. Schulbücher sind aus dem Blickwinkel der Lehrer sozusagen „heimliche Lehrpläne“: Sie konkretisieren das, was Lehrplankommissionen als verbindliches methodisch-didaktisches und inhaltliches Gerüst von Unterricht „vorgedacht“ haben.

 

Schulbücher sind zwar das wichtigste, aber längst nicht das einzige Medium, mit dem bzw. über das im Geschichtsunterricht gearbeitet wird: Die Geschichtslehrer nutzen z.B. Originalquellen im Stadtarchiv, Quellensammlungen aus der Schulbibliothek oder die unerschöpfliche „Fundgrube“ Internet. Die wichtigsten Internet-Adressen zum 17. Juni 1953 sind:

Die Lehrer – und alle historisch Interessierten -  können heute auf Materialien verschiedenster Institutionen zurückgreifen, z.B. die Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung (www.bpb.de), in der mehrere Bände zur Geschichte der DDR erschienen sind, die mehr oder weniger ausführlich auch auf den 17. Juni eingehen; besonders hervorzuheben ist:

  • Eckart Kleßmann: Die doppelte Staatsgründung, Bonn 1991.

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat weitere interessante Materialien herausgebracht, so z.B. eine CD-ROM mit zum Teil bisher nicht veröffentlichten Dokumente in Wort, Bild und Ton, dazu einer Chronik der Ereignisse von April 1952 bis Dezember 1953, die die vielschichtigen Entwicklungen in Orten und Städten der DDR und ebenso die mit dem 17. Juni zusammenhängenden Entwicklungen auf nationaler und internationaler Ebene betrachtet.

 

Eine Themenausgabe der Zeitschrift „Das Parlament“ mit der Beilage Aus Politik und Zeitgeschichte (B 32/2003) kann im Internet gelesen oder über die Bundes- und die Landeszentrale für politische Bildung bestellt werden (www.bpb.de).

 

In den Themenblättern für den Unterricht erschien ein Arbeitsblatt für den Unterricht zum 17. Juni 1953, in dem die Schulbuchrezeption des Arbeiteraufstandes selbst zum Gegenstand der Analyse gemacht wird. Gegen einen geringen Kostenbeitrag und Übernahme des Portos kann man diese Publikationen der Bundeszentrale für politische Bildung bestellen (www.bpb.de).

 

Besonders hilfreich für einen Geschichtsunterricht, der sich um die Einbindung der regionalen und lokalen Entwicklungen bemüht, sind die Publikationen der Landeszentrale für politische Bildung, darunter vor allem die Geschichte Sachsen-Anhalts von Mathias Tullner, Historiker an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.

 

Zum 17. Juni 1953 sind jetzt mehrere herausragende Publikationen zu nennen, die kostengünstig (2 € plus Porto) über die Landeszentrale für politische Bildung (www.lpb.sachsen-anhalt.de) zu beziehen sind:

  • Ilko-Sascha Kowalczuk: 17.6.1953: Volksaufstand in der DDR. Ursachen - Abläufe – Folgen. Mit Audio-CD: Belegschaftsversammlung im Elektromotorenwerk Wernigerode am 18. Juni 1953, Bremen 2003 
  • Hans-Peter Löhn: Spitzbart, Bauch und Brille - sind nicht des Volkes Wille!
  • Der Volksaufstand am 17. Juni 1953 in Halle an der Saale, Bremen 2003. 
  • Thomas Flemming: Der 17. Juni 1953, Berlin 2002.  

Für die Ausstellung im Norbertus-Gymnasium wurden Schulbücher unterschiedlicher Verlage für Sekundarschulen  (Haupt- und Realschulen) und für Gymnasien ausgewertet. Die vergleichende Analyse zeigt:

 

1. Der 17. Juni 1953 ist ein Doppelseiten-Thema. Die Auseinandersetzung mit dem Thema findet in der Regel auf einer Schulbuch-Doppelseite statt, d.h. in einer, maximal zwei Stunden Unterricht im Schulhalbjahr. Manch ein Schulbuch hat für dieses Thema, das in Lehrplänen nur als Stichwort in der Themenliste auftaucht, gerade mal eine Seite oder einen knappen Abschnitt auf der Seite reserviert.

 

2. Der 17. Juni 1953 ist – wie die anderen Schulbuchthemen auch - ein Unterrichtsgegenstand, den sich die Schüler weitgehend selbstständig erschließen können. Ein modernes Schulbuch nimmt die Schüler nicht mehr an die Hand und sagt ihnen genau, wie ein historisches Ereignis bewertet werden muss. Das war die Herangehensweise in DDR-Zeiten, wo die Geschichtswissenschaft im Dienste des Marxismus-Leninismus auch eine Legitimationswissenschaft für das „richtig“ politische System war.

 

3. Der 17. Juni 1953 als Unterrichtsthema wird besonders schülergerecht präsentiert, wenn dieses Ereignis

a) als eigenständiges Schulbuchkapitel ausgewiesen wird (Botschaft an den Schüler: Dieses Datum ist wichtig!),

b) im Schulbuchkapitel mit einer problematisierenden Leitfrage eröffnet wird (Perspektive der Arbeit mit der Doppelseite),

c) an möglichst vielfältigen Materialien erarbeitet wird (Quellenvielfalt),

d) mit Bild- und Textelementen „transportiert“ wird, die in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen (Geschichte als vielfältiges, quasi „multi-mediales“ Geschehen),

e) mit einem Autorentext eingeführt wird, der nicht alles bzw. zu viel an Interpretation vorwegnimmt (selbstständiges Erarbeiten des Problems durch die Schüler),

f) mit Arbeitsaufgaben erschlossen wird, deren Schwierigkeitsgrad der Zielgruppe (Schüler am Ende der Sekundarstufe I) angemessen ist, die aufeinander aufbauen (vom Erarbeiten grundlegender Informationen bis zum selbstständigen Urteil) und keine vorweggenommenen Wertungen enthalten.

 

Alle diese Kriterien erfüllt keines der in der Ausstellung präsentierten Bücher. Alle Bücher verstehen sich als Lehr- und Arbeitsbücher, d.h. sie stellen die selbstständige Erarbeitung der Sachzusammenhänge durch die Schülerinnen und Schüler in den Mittelpunkt. Den Bänden „Geschichte konkret“ (Schroedel Verlag, Hannover) und „Geschichte plus“ (Volk und Wissen) gelingt die „Vorlage“ für einen abwechslungsreichen Geschichtsunterricht im Sinne der o.g. Kriterien am besten.

 

Der Text ist Teil der Ausstellung „Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, die am 14.6.2003 um 16 Uhr in der Aula des Norbertus-Gymnasiums in Magdeburg (Nachtweide 77)  eröffnet wird und dort bis Ende Juni zu sehen ist.